Lavinia Lanner: Hairbarium - Tag- und Wurzelwerk

Lavinia Lanner: Hairbarium - Tag- und Wurzelwerk

April 25, 2019

LAVINIA LANNER

Hairbarium

Tag- und Wurzelwerk

Galerie ARCC·art | Kaiserstraße 76, 1070 Wien

Ausstellungsdauer: 9. Mai – 14. Juni 2019

Wachsen Baumringe im Uhrzeigersinn und treffen sich die Enden nach 365 Tagen, um den Kreis zu schließen? Spielt Transzendenz eine Rolle für Sprossachsensysteme auf ihrem Weg am schmalen Grat zwischen Erdoberfläche und -unterfläche? Die hier gestellten, vermeintlich botanischen Fragen nähern sich einer nicht zwingend der Realität entsprechenden Logik aus dem genannten Gebiet und entfernen sich gleichzeitig wieder von ihr. Ein Kosmos mit ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten entsteht. Eine Sammlung noch nie dagewesener Gewächse dringt durch ein Dickicht von althergebrachtem Grün und neue Spezies setzen sich durch. Die Blüte, eine mit nichts anderem zu vergleichende Pracht. Oder doch eine Körperöffnung? Hautschichten und organische Referenzen?

Die Serie Hairbarium umfasst die scheinbare Schaffung und Sammlung einer hybriden Welt von Gewächsen. In großformatigen Bildtafeln versammeln sich die Darstellungen der allesamt gezeichneten Exemplare. Ob sich kräuselndes Wurzelwerk, oder mannigfaltige Blätter, alle hat man in ihrer Zusammensetzung so noch nie gesehen und doch sind immer wieder Elemente zu erkennen, die sie zweifelsfrei als Gewächse erkennen lassen. Ein neuartiges Herbarium in Bleistift auf Papier, das offenlässt, ob die Darstellungen auf ein Pendant in unserer Welt verweisen oder nicht. Auch die Übergröße mancher Zeichnungen hebt sich von im Genre der naturwissenschaftlichen Zeichnung üblichen Bildtafel ab.

Oder ist es ein Körperatlas der gezeichneten Art, wer weiß das schon ganz genau und man soll sich vom Rätsel um ihre Ambiguität auch nicht zu sehr aufhalten lassen, so die Künstlerin. Man verpasse in der Zeit womöglich die Chance, in den Sog der Formen einzutauchen, wozu etwa die beiden Arbeiten PortalI und II (2019) einladen, dann weiter über ein verbindendes AND (2018) hin zu Knospenwürmern oder Spargeldamen führen. Fließend soll der Übergang zwischen den Arbeiten sein, ein lustvolles Entdecken und Wiederfinden von Bündeln und Fäden, Linien und Weiß, von dem es, so die Künstlerin, nie genug gibt.

Der Titel Hairbarium bezieht sich auf die wiederkehrenden haarähnlichen Elemente der Zeichnungen. Diese bedingen zum Teil eine Ähnlichkeit mit menschlichen bzw. tierischen Merkmalen, was wiederum die Imagination, sich eine ganz eigene Interpretation zu schaffen, nährt. Von Künstlerinnenhand kreierte Dokumente nie dagewesener Raritäten sind sie allemal. Auch der Charakter der Zusammenschau findet sich in Titel und Konzept wieder. So ist der gemeinsame Nenner der Bleistift, aber auch wiederkehrende Strukturen und Spuren auf dem Papier. Im Untertitel Tag- und Wurzelwerk verweist Lanner ein weiteres Mal auf die Thematisierung ihrer täglichen Praxis, wie schon bei ihren Einzelausstellungen nulla dies sine linea (Österreichisches Kulturforum Rom, 2014), und ihres Werkzeugs, so etwa fighter eraser (Loft8 Galerie Wien, 2017) oder ihrer Diplomschau 3B or not 3B
(Semperdepot, 2010), die auf die von ihr ausschließlich verwendete Bleistiftstärke anspielt.

Lavinia Lanner, 1985 in Salzburg geboren, lebt und arbeitet in Wien. Sie studierte an der Akademie der bildenden Künste, Wien (Gunter Damisch, Amelie von Wulffen) sowie an der Slade School of Fine Art, London. Artist-in-Residence-Aufenthalte führten sie u.a. nach Teheran, Yogyakarta, Paris, Rom und Göteborg. Nominierungen für Kunstpreise umfassen u.a. Walter Koschatzky Kunstpreis, BA-Kunstpreis Kärnten, Art Albina Kunstpreis.

Hairbarium ist die erste Soloschau von Lavinia Lanner in der Galerie ARCC·art.

Künstlerinportrait Lavinia Lanner

Handout

www.LaviniaLanner.com