Michael Ornauer

 

ABOUT THE ARTIST

Die Dimensionen der Farbigkeit

Es ist nicht bunt, es ist farbig was Michael Ornauer vorlegt. Kompositionen von Tönen, die in Schichten liegen und so von der scheinbaren Unmöglichkeit des Gleichzeitigen erzählen. Davon nämlich, dass die einzelne Arbeit nicht die Parallelität ausschließt und dass im Farbpigment letztlich nur der Ansatz dessen liegt, was sich wesentlich erst im Blick konstituiert.

Michael Ornauer, 1979 in Wien geboren, wo er an der Akademie der Bildenden Künste bei Hubert Schmalix und Amelie von Wulffen studierte, liefert präzise Vorschläge für unpräzisierbare Größen unserer Wahrnehmung. Dies mag an seinem Werdegang liegen. Nach Probejahren in der Figuration, wechselte der Künstler in die Abstraktion. Es war allerdings weniger eine Abkehr, als eine Zuwendung zu dem, was in seinem Werk längst angelegt war. Ornauer übte den Blick zu fokussieren, auf die Momente zwischen den Darstellungen. Auf die Flächen, die jeden Malgrund ausformulieren, mal mehr und mal weniger. 2017 schließlich hatte „der Gegenstand, den man der Malerei aufsetzt“, so Ornauer, völlig ausgedient. Das Dazwischen, die Suche zwischen Abstraktion und Fläche, wurde zum Hauptakteur im Werk. In der vom Keilrahmen vorgeschlagenen Beschränkung testet Ornauer die Grenzen des Malgrunds und den Moment vom Bild zum Objekt. Dies geschieht in sehr unterschiedlichen Werkserien, die allesamt die Malerei in ihren Grundfesten befragen. Ob Ornauer die Farbschichten schleift, sodass ihr Unterstes erscheint, ob er, wie aktuell, mit der Materialität von Kreidetafeln experimentiert oder, wie in seinen neuen Werken, bis über den Rand der Leinwand Öl modelliert. Zwischen Geometrie und Farbverlauf ist hier alles möglich. Michael Ornauer ist Verfechter der Malerei, betrachtet ihren Akt als „Spektakel“, ihre konkreten Aussagen als „überbewertet“. Malerei ist „die Form, in die ich hineingieße“, so der Künstler. Ein physischer Akt in dem er die Parameter seines Tuns untersucht. Erprobt auch, wie weit er gehen darf hin zum Schönen. Jener verworfenen Idee der Moderne, die nur mit Mut eine Wiederaufnahme in der Kunst zulässt. Michael Ornauer stellt sich dieser Provokation. 

Mit Konrad Paul Liessmann gesprochen, steht das Schöne im Verdacht nur eine falsche Harmonie darzustellen. Liessmann folgert aber weiter, dass Schönheit sich aber eben nicht nur in Gefälligkeit und Ebenmaß bestimmt, wie es die Antike dachte, sondern dass diese Ideen mit Recht in der Moderne dekonstruiert wurden. Und so vervollständigt sich das von Intuition getriebene Werk Michael Ornauers folgerichtig an den Bruchstellen. Indem er den Makel nicht nur annimmt, sondern herausfordert, findet der Künstler eine neue Harmonie, die sich eben nicht aus Symmetrie errechnet, sondern eine Art Gleichgewicht im Unausgeglichenen entwickelt. Indem Ornauer die Lehren von Form und Maß mit der Maßlosigkeit des Reizes ausbalanciert, bespricht er einen neuen Schönheitsbegriff. Er handelt von einer Schönheit, die darin besticht, dass sie in ihrer vermeintlichen Unvollkommenheit Wahres suggeriert. Ein Reiz, der Nähe zum Betrachter zulässt, weil er das erhabene Moment der Abstraktion im Realen bricht und somit ästhetische Ideale im Raum und als Objekt, als Gegenüber zum Betrachter, ausformuliert. Gerade auch die Farbigkeit ist es, die Ornauer auf diesem Weg Allianzen stellt. „Das Farbenfrohe hat man uns ausgetrieben“, erzählt der Künstler von seinem Drang ins Farbige, dem er nachzugehen lernte. Bloße Gefälligkeit hat damit wenig zu tun.

Die Prämissen der Schönheit werden von Michael Ornauer nicht nur auf die Probe gestellt, sondern gänzlich neu ausverhandelt. Wie Liessmann schreibt: „Schönheit ist auch ein Risiko“. So bestätigt sich Harmonie eben nicht immerzu in absoluter Symmetrie und schlichter Proportionalität, sondern im Ausgleich aus apollinischen und dionysischen Werten. Im Gleichzeitigen des angeblich Bipolaren.

Paula Watzl, Juni 2020

Galerie Rudolf Leeb präsentiert neue Arbeiten von Michael Ornauer auf der Fair for Art Vienna 2020 - mehr erfahren >>

Portfolio Michael Ornauer 2020

http://www.ornauer.com

Onlinekatalog zur Ausstellung "Spektakel des Sichtbaren" in der Galerie Rudolf Leeb

    

  

Ausstellungsansicht Standy by, Galerie Rudolf Leeb, 2020