Pamela Russmann

Pamela Rußmann 

 

MANN MIT EIGENSCHAFTEN

Eine Fotoserie von Pamela Rußmann

2017 tauchte im medialen Diskurs im deutschsprachigen Raum erstmals gehäuft die Frage auf, ob es eine Krise der Männer gäbe. In zahlreichen Artikeln, von der renommierten „Zeit“ bis zum jungen Online-Magazin „Vice“, wurde von Problemen von Buben berichtet, die in der (von weiblichen Lehrkräften dominierten) Schule zurückfallen würden, männliche Millennials beklagten, sie würden weniger Aufstiegschancen haben, weil Frauen bevorzugt würden, Arbeitslosigkeit sei laut Statistik ein männliches Problem, usw.

Welche Erwartungen werden an Männer gestellt? Wie ist Männlichkeit definiert und von wem? Ist Männlichkeit eine Art improvisiertes Theaterstück, das im täglichen Leben entsteht, wie es der US-amerikanische Männerforscher und Psychotherapeut Michael E. Addis beschreibt?

Tatsache ist: Im selben Maße, in dem Macht, Sichtbarkeit und Bedeutung von Frauen in der Gesellschaft steigen, sind tradierte „Mannsbilder“ wie die des „Ernährers“, „Machos“ und „Beschützers“ ins Schleudern gekommen. „Während wir Männer, deren Körper groß und stark, muskulös, sportlich und scheinbar immun gegen Schmerzen ist, oft zum Idol machen,“ schreibt Addis in seinem Standardwerk „Invisible Men“, „sind wir blind und taub für die reale Verletzlichkeit von Männern, wenn es um ihr körperliches Wohlbefinden geht.“

Nicht nur Feministinnen, sondern auch Männertherapeuten fordern daher: „Männer, erfindet euch neu!“

Die Fotografin Pamela Rußmann hat sich aus ihrer feministischen Perspektive mit verschiedenen Männlichkeitsbildern und Stereotypen auseinandergesetzt. Mit Julian Joy (Sänger bei den österreichischen Bands „Yokohomo“ & „Hanta Royce“) als Protagonisten hat sie über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren verschiedene Männertypen inszeniert und sozusagen am lebenden Objekt spürbar gemacht: Was macht es mit einem Mann, wenn er mal „der harte Macho“, „der ruhige Empfindsame“ oder „der expressive Crossdresser“ ist? Wie verändert sich sein Selbstverständnis, wie seine Außenwirkung?

Pamela Rußmann. Geboren 1975 im steirischen Bruck/Mur. Freie Fotografin und TV-Redakteurin & Journalistin. Lebt und arbeitet in Wien.

Pamela Rußmann über ihre Arbeitsweise:

Mit der Fotokamera richte ich mein Sehen, meine Seele auf das, was vor mir, rund um mich herum und zugleich mit mir geschieht. Diese Arbeitsweise erfordert eine seltsame Hybridpräsenz: Ich bin Teil des Ganzen, aber zugleich muss ich mich soweit abgrenzen, dass ich nicht völlig vereinnahmt werde. Ich mag den Begriff der „durchlässigen Grenze“ sehr gern, denn obwohl ich nicht inszeniere und anweise wie eine Regisseurin, will ich natürlich die Kontrolle behalten und innerhalb der Begrenzung meines Suchers arrangieren. Für mich ist der entscheidende Moment dann gekommen, wenn ich von den Menschen, auf die ich meine Kamera richte, nicht mehr wahrgenommen werde als Eindringling oder als Fremdkörper, wenn sie „vergessen“, dass ich da bin. Ist das geschafft, gelange ich manchmal in sehr private Situationen, in denen der Finger am Auslöser zögert und ich mich frage, darf ich das jetzt überhaupt? Darf ich so nah sein, soll ich so nah sein?

www.pamelarussmann.at 

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pr@pamelarussmann.at

 

Photography by Pamela Rußmann